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Warum Menschen und KI nicht objektiv sein können. (202601142249)
Aus verschiedenen Gründen. Menschen, weil sie in der fernen Gegenwart leben. Ein Reiz, ob von außen oder innen, braucht 50 bis 300 Millisekunden, bevor sich die Empfindung in unserem Denken realisiert und/oder sich in unserer Wahrnehmung verankert. Nicht die Zeitspanne trennt uns von der Objektiven Realität, sondern die unumkehrbare Vorstrukturierung, die während dieses Momentums geschieht.
Jeder Reiz wird markiert, mit allen gleichzeitig stattfindenden Eindrücken, Optik, Geruch Wohlempfinden, Ablehnung, und auch Gedanken und Erinnerungen – der Reiz erreicht unsere Wahrnehmung in einem Netz assoziativer Verknüpfungen.
Als Axiom gesetzt wird angenommen: die Objektive Realität ist als Tatsache vorhanden, aber für uns niemals vordergründig erfahrbar. Als Axiom, weil jede Verneinung dieses Tatbestands bereits auf einer Wahrnehmung beruhen müsste.
KI haben keine körperlichen Empfindungen, sollten dann nicht sie zur Objektivität fähig sein? Nein! Wenn auch aus andern Gründen.
Der Korpus einer KI ist eine kaum vorstellbar große Wortwolke (vereinfachend gesprochen), ein hochdimensionaler Vektorraum, mit einem Gespinst aus Beziehungen. Eine Anfrage an die KI wird zuerst zerlegt, die Bestandteile in der Wortwolke verortet. Dann wird anhand der dabei entstehenden Beziehungen die wahrscheinlichste, erwartbare Antwort ausgegeben. Die Wahrscheinlichkeit ergibt sich aus den Gewichtungen der Beziehungen, die sich wiederum aus den Häufigkeiten ihres Auftretens ergeben.
Jede ausreichend gewichtete Wahrscheinlichkeit durchläuft einen Suchpfad aus Ja/Nein-Entscheidungen und Gleichgewichten; diese werden so lange mit Synonymen und ähnlichen Beziehungen verglichen, bis letztlich eine Ja/Nein-Entscheidung stattfinden kann.
Jede Aussage der KI, die uns als Arbeitsergebnis angeboten wird, ist eine Annahme, die aufgrund der von Menschen vorprogrammierten Wortwolke und ihrer inneren Verknüpfungen der Beziehungen als Wahrscheinlichste angenommen wird.
Weder wir Menschen noch KI sind ihrer jeweiligen Konstitution nach in der Lage, Objektivität mehr als vom Tatbestand her zu denken, erfahrbar nur mit all der Subjektivität die jede unserer Annahmen begleitet. Für KI gilt nicht mal das, weil sie Verständnis nur simulieren können. Verständnis hier nicht im Sinne einer gemeinsamen Deutungsauslegung, sondern als Bedeutungsbildung in Resonanz. Ihnen bleibt Bedeutung mangels Empfindungsfähigkeit, im Sinne des Geflechts aus körperlicher und kognitiver Beziehungen, verborgen.
Menschen können nicht anders als anthropomorph zu denken; sie müssen es. KI können nicht anders als technisch vergleichbar zu handeln; sie können nicht anders. Das menschliche Gefühl der durchschimmernden Realität, die Ambivalenz, dass Objekte real wie auch irreal sein können, ist uns Menschen vorbehalten.
Bielefeld, 14.1.26/3.2.26
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